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Profil

Profil und Selbstverständnis des Lehrbereichs „Internationale Beziehungen und europäische Politik“

Die Lehre von den „Internationalen Beziehungen“ (IB) umfasst alle Aktionsfelder, Formen und Problembereiche der Kooperation und der Konfrontation zwischen verschiedensten Akteuren, deren Handeln nationalstaatliche Grenzen überschreitet. Prägendes Strukturmerkmal ist die Globalisierung der internationalen Politik, in deren Folge handlungsrelevante Räume zunehmend funktional bestimmt sind und über nationalstaatliche Grenzen hinweg reichen. Dabei sind insbesondere die Problembereiche und Aktionsfelder, die sich nicht (mehr) alleine national bearbeiten lässt ein zuverlässiger Indikator für den erreichten Globalisierungsgrad. Der Bereich „Europäische Politik“ legt einen speziellen Fokus auf die Besonderheiten des geographischen, politischen und kulturellen Raumes „Europa“, und zwar in allen analytischen Dimensionen des Politischen. Diese umfassen die Ordnung, d. h. den Handlungsrahmen von Politik (polity), die Gestaltung, d. h. die inhaltliche Dimension von Politik (policy) und die Durchsetzung, d. h. der Prozess des Politikgestaltens (politics).

Während die internationalen Beziehungen strukturell in einem anarchischen Milieu stattfinden oder bestenfalls Inseln der regulierten Anarchie beinhalten, haben sich die Spielregeln in Europa (genauer: im Prozess der europäischen Integration) doch von diesem Grundmilieu entfernt. Die Verbindung der Bereiche „Internationale Beziehungen und europäische Politik“ hat insofern einen besonderen Reiz.

Das inhaltliche Profil der Politikwissenschaft an der MLU ist bestimmt durch die Leitbegriffe Repräsentation, Partizipation und Transformation. Die Professur ist in diesem Sinne insbesondere auf den Wandel in Europa sowie auf europäische und weltgesellschaftliche Governance-Regime ausgerichtet. Darüber hinaus wird ein Schwerpunkt auf die Transformation internationalen Regierens, Fragen der Institutionenbildung und des Institutionenwandels auf europäischer und globaler Ebene, den Wandel internationaler Organisationen sowie die veränderten Parameter deutscher, europäischer und internationaler Sicherheitspolitik gelegt (siehe Forschung).

In unserer Arbeit bemühen wir uns darum, den politikwissenschaftlichen Diskurs national und international mitzugestalten, aber uns nicht im akademischen Elfenbeinturm einzuschließen. Vielmehr ist es unser Ziel, dass Erkenntnisse auch für die praktische Politik und die Politikvermittlung einsehbar sind. Daher ist Verständlichkeit ein wichtiger Aspekt bei der Formulierung unserer Forschungsergebnisse. Wir verstehen Politikwissenschaft als eine Sozialwissenschaft – als die Sozialwissenschaft, die sich mit dem Phänomen des Politischen beschäftigt. Der Politikwissenschaft selbst ist keine bestimmte Vorstellung vom Wahren, Guten und Schönen zu Eigen. Politikwissenschaft verstehen wir insofern nicht als Lehre vom bestmöglichen Zustand der Politik und des Politischen, sondern sie ist zunächst die Lehre vom tatsächlichen Zustand politischer Verhältnisse. In diesem Sinne ist die Politikwissenschaft ganz besonders der Ideologiekritik verbunden: Sie ist dazu da, Scheinwissen zu entlarven und durch wissenschaftlich gesichertes Wissen zu ersetzen. Politikwissenschaft ist Aufklärungswissenschaft.

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